{"id":5156,"date":"2026-05-21T08:36:55","date_gmt":"2026-05-21T06:36:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kirche-aktuell.de\/?p=5156"},"modified":"2026-05-21T08:36:55","modified_gmt":"2026-05-21T06:36:55","slug":"aktuelle-stellungnahme-der-pfarrei-st-hippolytus-zu-einer-kultur-des-wertschaetzenden-miteinanders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirche-aktuell.de\/?p=5156","title":{"rendered":"Aktuelle Stellungnahme der Pfarrei St. Hippolytus zu einer Kultur des wertsch\u00e4tzenden Miteinanders"},"content":{"rendered":"<p>Die Pfarrei St. Hippolytus setzt sich f\u00fcr ein respektvolles und friedliches Zusammenleben aller Menschen ein. Grundlage daf\u00fcr sind die Menschenw\u00fcrde, das christliche Menschenbild sowie Werte wie N\u00e4chstenliebe, Solidarit\u00e4t und gegenseitige Wertsch\u00e4tzung. Anlass der Stellungnahme sind ausgrenzende und menschenverachtende Aktionen im April 2026 in Gelsenkirchen-\u00dcckendorf. Die Pfarrei spricht sich klar gegen Diskriminierung und f\u00fcr kulturelle Vielfalt, Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt aus.<\/p>\n<p>Hier der gesamte Text der Stellungnahme:<\/p>\n<p><strong>Stellungnahme der Pfarrei St. Hippolytus zu einer Kultur des wertsch\u00e4tzenden Miteinanders<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie wollen wir zusammenleben?<\/strong><\/p>\n<p>Die Frage \u201eWie wollen wir zusammenleben?\u201c ist keine abstrakte politische Floskel, sondern ber\u00fchrt den Kern unseres gesellschaftlichen Miteinanders. Die Antwort darauf gibt unser Grundgesetz sehr klar: \u201eDie W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar.\u201c Dieser Satz steht am Anfang unserer Verfassung und ist Ma\u00dfstab f\u00fcr alles staatliche und gesellschaftliche Handeln.<\/p>\n<p>Er steht zugleich in einer tiefen \u00dcbereinstimmung mit dem christlichen Menschenbild. Dieses geht davon aus, dass jeder Mensch von Gott geschaffen und gewollt ist. Die W\u00fcrde des Menschen gr\u00fcndet nicht in Leistung, Herkunft oder Lebensleistung, sondern darin, dass er als Ebenbild Gottes geschaffen ist. Jeder Mensch ist deshalb einzigartig und unverlierbar wertvoll.<\/p>\n<p>F\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger eines Staates, der die Menschenw\u00fcrde im Grundgesetz verankert hat und zugleich in einer christlich gepr\u00e4gten Kultur lebt, sollte eine Haltung der N\u00e4chstenliebe, Solidarit\u00e4t und des Respekts selbstverst\u00e4ndlich sein. Dies gilt unabh\u00e4ngig von Herkunft, Religion oder Lebensgeschichte. Besonders im Kontext von Integration ist dieser Grundsatz entscheidend: Zusammenleben kann nur gelingen, wenn die unver\u00e4u\u00dferliche W\u00fcrde jedes Menschen anerkannt und gesch\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Die <strong>Pfarrei St. Hippolytus <\/strong>mit den Stadtteilen Horst, Beckhausen, Sutum und Essen-Karnap setzt sich aktiv f\u00fcr ein friedliches und respektvolles Miteinander aller Kulturen und Glaubensgemeinschaften ein. In unseren Stadtteilen leben Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und religi\u00f6sen Hintergr\u00fcnden zusammen. Diese Vielfalt verstehen wir als Bereicherung und als Chance f\u00fcr ein gelingendes Zusammenleben.<\/p>\n<p>Grundlage unseres Handelns ist das christliche Menschenbild sowie der gemeinsame Wert der Menschenw\u00fcrde. Jeder Mensch ist einzigartig und verdient Respekt, Anerkennung und W\u00fcrde \u2013 unabh\u00e4ngig von Herkunft, Religion oder Lebensweise. Als Pfarrei m\u00f6chten wir R\u00e4ume schaffen, in denen Begegnung m\u00f6glich ist, Vorurteile abgebaut werden und Vertrauen wachsen kann. Dazu geh\u00f6ren gemeinsame Aktivit\u00e4ten, offene Gespr\u00e4che und die Zusammenarbeit mit anderen Religionsgemeinschaften und Initiativen in unseren Stadtteilen.<\/p>\n<p>So verstehen wir unseren Beitrag zu einer lebendigen Nachbarschaft: miteinander statt nebeneinander zu leben \u2013 im Geist von Respekt, Frieden und gegenseitiger Wertsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund sind \u00f6ffentliche Stimmen, die klar f\u00fcr Menschlichkeit und gegen jede Form von Menschenverachtung Position beziehen, von gro\u00dfer Bedeutung. Sie erinnern daran, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht von Abgrenzung, sondern von Verantwortung, Respekt und gelebter N\u00e4chstenliebe lebt.<\/p>\n<p>Gelingende gelebte kulturelle Vielfalt fordert uns heraus, eigene und vielleicht auch eingefahrene Denkmuster zu \u00fcberwinden. Sie ist eine Chance, den Menschen, der uns gegen\u00fcber steht, kennen zu lernen und das Verbindende zu entdecken.<\/p>\n<p>Leider geschieht nur allzu oft das genaue Gegenteil. Menschen werden aufgrund von Herkunft, Religion oder Lebensweise ausgegrenzt, angefeindet und respektlos behandelt.<\/p>\n<p>So geschehen Anfang April 2026 in Gelsenkirchen \u00dcckendorf. Eine kleine Menge politischer Akteure in dieser Stadt gingen mit Besen, Kehrblech und Handfeger auf Anwohner mit \u2013 sichtbarem \u2013 Migrationshintergrund dieses Stadtteils zu und forderten sie auf, \u201esauber\u201c zu machen. In despektierlicher Ansprache, willk\u00fcrlichen Zuschreibungen und Werteschemata, die im krassen Gegensatz zu einem respektvollen Miteinander stehen. Fast wie nebenbei wurden dabei etablierte Pr\u00e4ventionskonzepte und Orte der Begegnung von Stadt und kirchlichen und sozialen Tr\u00e4gern entwertet und diffamiert.<\/p>\n<p>Im Juni 2021 bezog das in Gelsenkirchen-\u00dcckendorf angelegte Pilotprojekt \u201eIntegrative Pr\u00e4ventionsarbeit\u201c R\u00e4umlichkeiten an der \u00dcckendorferstra\u00dfe 138. \u00dcber die schon etablierte aufsuchende pr\u00e4ventive Arbeit hinaus wurde hier eine feste Anlaufstelle f\u00fcr Menschen vor Ort geschaffen, um ein gelingendes\u00a0 Zusammenleben in diesem Stadtteil gemeinsam und ganzheitlich zu bew\u00e4ltigen. Hier hat die Stadt Gelsenkirchen mit der Polizei, dem kommunalen Ordnungsdienst, Sozialarbeitenden und Sprachmittler:innen der Caritas insbesondere auf Herausforderungen durch Zuwanderung aus S\u00fcdosteuropa reagiert.\u00a0<\/p>\n<p>Dieses Projekt steht stellvertretend f\u00fcr das Bekenntnis zu einem respektvollen, friedlichen, offenen und l\u00f6sungsorientierten Miteinander in unserer Gesellschaft.<\/p>\n<p>Stadtdechant Markus Pottb\u00e4cker fand zu dem Vorfall in \u00dcckendorf klare Worte, die verdeutlichen, wie wichtig ein wertsch\u00e4tzendes Miteinander f\u00fcr unsere Gesellschaft ist. Und er benannte eine Zeit in der Geschichte unseres Landes, welche gekennzeichnet war von Ausgrenzung, Willk\u00fcr, Denunziation und Hass. Eine Zeit, in der Menschen aufgrund von Herkunft, Religion, Lebensweise und Behinderung verschleppt, zusammengepfercht und get\u00f6tet wurden.<\/p>\n<p>Eine solche Aktion bekannter politischer Akteure wie in \u00dcckendorf darf nicht einfach unkommentiert bleiben und demokratische Werte ad absurdum f\u00fchren.<\/p>\n<p>Wenn Pers\u00f6nlichkeiten wie Stadtdechant Markus Pottb\u00e4cker deutlich Stellung beziehen, dann ist das keine Frage einzelner Funktionen, sondern Ausdruck einer Haltung, die sowohl dem Geist des Grundgesetzes als auch dem christlichen Verst\u00e4ndnis vom Menschen entspricht. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten oft polarisiert gef\u00fchrt werden, braucht es solche klaren Zeichen der Orientierung.<\/p>\n<p>Dabei geht es nicht um parteipolitische Zuschreibungen, sondern um grundlegende Werte unseres Zusammenlebens: Menschenw\u00fcrde, Solidarit\u00e4t, N\u00e4chstenliebe und Menschlichkeit. Diese Werte sind keine Option, sondern Grundlage unserer demokratischen und ethischen Ordnung.<\/p>\n<p>Es ist uns wichtig, diese Haltung sichtbar zu machen und klar und unmissverst\u00e4ndlich zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Pfarrei St. Hippolytus<\/p>\n<p>Bernd Steinr\u00f6tter, Pastor<\/p>\n<p>Im Mai 2026<\/p>\n<p \/>&#013;<br \/>\nSource: PV Gelsenkirchen-Horst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pfarrei St. Hippolytus setzt sich f\u00fcr ein respektvolles und friedliches Zusammenleben aller Menschen ein. Grundlage daf\u00fcr sind die Menschenw\u00fcrde, das christliche Menschenbild sowie Werte wie N\u00e4chstenliebe, Solidarit\u00e4t und gegenseitige Wertsch\u00e4tzung. Anlass der Stellungnahme sind ausgrenzende und menschenverachtende Aktionen im April 2026 in Gelsenkirchen-\u00dcckendorf. 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